Religionsfreiheit vs. Unversehrtheit

Die Debatte über Beschneidungen betrifft zwei Grundrechte. Zum Einen die Religionsfreiheit, zum Anderen das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Warum es meiner Meinung nach nichts zu diskutieren gibt, versuche ich hier mal zu erläutern.

Momentan ist in allen Medienkanälen immer wieder etwas zu lesen über ein mögliches Verbot von Beschneidungen, wobei sich die Befürworter, wie auch die Gegner immer wieder ein wenig zu Wort melden.

Sogar ein Vorstoss, dass das Parlament ein gesetzliches Verbot erlässt, wurde gemacht.
Jedoch wird dem Vorstoss, die Beschneidung von kleinen Jungen zu verbieten, wenig Chancen im Parlament eingeräumt, hiess es letztens in einem Interview. Und dass jetzt geklärt werden muss, ob nun das Recht auf Religionsfreiheit, oder das Recht auf Unversehrtheit höher zu gewichten sei.

Dabei gibt es meiner Meinung nach gar nichts zu überlegen, welches der beiden Rechte nun wichtiger ist.
Die Erklärung ist prinzipiell recht einfach: Jeder hat von Geburt an alle Grundrechte (jedenfalls in der Schweiz ist das so), somit besteht für ein Kind genauso die Religionsfreiheit wie auch das Recht auf Unversehrtheit.

Das Recht auf Religionsfreiheit sollte aber dort auch für das Kind wahrgenommen werden, denn: Wer kann schon sicher sein, dass sich ein Neugeborenes auch wirklich für die Religion seiner Eltern entschieden hat? Woher will man wissen, ob es später nicht Konvertieren wird zu einer anderen Glaubensrichtung?

Genau! Niemand! Und deshalb ist die Beschneidung von Kleinkindern auch aufgrund des Grundrechts der Religionsfreiheit zu verbieten! Jeder soll für sich selber entscheiden können, welcher Religion er angehören möchte.

Somit sollte es genau im Sinne der Religionsfreiheit sein, wenn man Beschneidungen, Taufen wie auch andere religiöse „Zugehörigkeitsrituale“ für unter 16-Jährige verbietet! Denn mit sechzehn Jahren ist man laut Art. 303 ZGB religionsmündig und kann dann selber entscheiden, welche Religion man wählen will.

Man könnte jetzt natürlich sagen, dies bedeute, dass man vom Recht auf Religionsfreiheit erst ab 16 Jahren Gebrauch machen kann, aber da Grundrechte bereits von Geburt an gelten, ist dieses Argument nichtig.

Aber mal um die Absurdität von der ganzen Diskussion besser darzustellen:

Wie würden wohl die Leute reagieren, wenn es eine Religion gibt, welche gebietet, einem Neugeborenen einen Arm zu amputieren? Würde dies auch unter das Grundrecht Religionsfreiheit fallen, und wäre somit erlaubt? Ich denke nicht.
Ist nicht dasselbe? Nein, nicht unbedingt, aber es wäre dasselbe Prinzip.

Theoretisch könnte man also Eltern anklagen, dass sie gegen die Bundesverfassung verstossen, wenn sie ihr Kind beschneiden, taufen oder Vergleichbares machen. Gegen folgende Artikel wird bei einer Beschneidung verstossen: Art. 10 Abs. 2 BV, Art. 15 BV (dort besonders Abs. 4!)
Bei der Taufe von Kindern unter 16 wird dementsprechend ebenfalls gegen Art. 15 BV verstossen.
Natürlich ist die Taufe kein irreversibler Eingriff wie z.b. die Beschneidung, jedoch trotzdem ein Eingriff in ein Grundrecht.

Wir sehen, wenn wir das schweizerische Gesetz genau anschauen, würde sich die Diskussion, ob nun Beschneidungen an Kleinkindern erlaubt oder verboten sein sollen, automatisch ergeben.

Posted in Leben, Politik and tagged , , , .

igwigg

Der, der hier hin und wieder mal Dinge hinschreibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .